-In Memoriam Ulrich Grigull
Am 20. Oktober 2003 ist Professor Ulrich Grigull, emeritierter Ordinarius am Lehrstuhl für Thermodynamik an der Fakultät für Maschinenwesen der Technischen Universität München, im Alter von 91 Jahren verstorben.

Ulrich Grigull, am 12. März 1912 geboren, war Zeit seines Lebens eng mit der Wissenschaft verbunden. Professor em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Ulrich Grigull gehörte zur Spitze der internationalen Forschergemeinschaft der Thermodynamik und besonders der Wärme- und Stoffübertragung. Unter den zahlreichen Ehrungen, die Professor Grigull für seine Forschungstätigkeit erhielt, ist besonders der Max-Jacob-Memorial Award herauszuheben. Diese Ehrung wurde ihm gemeinsam durch die American Society for Mechanical Engineers und durch das American Institute for Chemical Engineers verliehen und gilt als die weltweit höchste auf diesem Gebiet. Der Freistaat Bayern verlieh Ulrich Grigull 1984 den Maximiliansorden, die Universität Stuttgart ernannte ihn 1982 zum Ehrendoktor.

Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Ulrich Grigull 1935 als Mitarbeiter von Ernst Schmidt am Lehrstuhl für technische Wärmelehre der TH Danzig. 1937 ging er mit Ernst Schmidt an die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt in Braunschweig und wurde an der TH Braunschweig mit einer theoretischen Arbeit über turbulente Kondensation promoviert. Während des 2. Weltkrieges war Ulrich Grigull Offizier und erster Ingenieur auf U-Booten und Zerstörern. Nach Ende des Krieges arbeitete er zunächst als Berater für Unternehmen der Chemie und Textilbranche sowie als Direktor eines Unternehmens, welches Isoliermaterial herstellte. 1953 trat Ulrich Grigull bei den Farbenfabriken Bayer AG in Leverkusen ein.

1961 übernahm Ulrich Grigull die Nachfolge von Ernst Schmidt als Professor und Direktor des Instituts für Thermodynamik der TH München. Dank seiner weit gespannten Interessen und seines großen Ideenreichtums regte er hier eine Vielzahl bedeutender Forschungsarbeiten an. Er führte mehr als 40 junge Wissenschaftler zur Promotion. Ulrich Grigull bearbeitete ein breites Themenfeld aus den Gebieten der Thermodynamik sowie der Wärme- und Stoffübertragung in über 120 wissenschaftlichen Aufsätzen und 40 Buchbeiträgen.

Ulrich Grigull

Das 1954 erstmals erschienene Buch "Die Grundgesetze der Wärmeübertragung" legte den Grundstein für Ulrich Grigulls Beitrag zur Spitze der internationalen Wissenschaft. Es wurde zum Standardwerk, Übersetzungen ins Englische, Japanische, Russische, Spanische und Türkische folgten. Die internationale Wissenschaftsgemeinde bestätigte Ulrich Grigulls Führungsrolle unter anderem durch seine Ernennung zum Präsidenten des "International Assembly for Heat Transfer Conferences", zum Präsidenten des "International Center for Heat and Mass Transfer" und zum Präsidenten der "International Association for the Properties of Water and Steam", Positionen, welche er viele Jahre inne hatte.

Ulrich Grigull war nicht nur als herausragender Forscher und hochgeschätzter akademischer Lehrer bekannt. 1972 wurde er zum Rektor und 1976 zum ersten Präsidenten der TU München gewählt. In der Zeit nach seiner Emeritierung 1981 widmete sich Ulrich Grigull seinem Interesse der Technikgeschichte, besonders den Ursprüngen der Thermodynamik. In der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in die er 1976 aufgenommen wurde, arbeitete er in den letzten Jahren als Vorsitzender der Kepler Kommission an der Herausgabe der gesammelten Werke des berühmten Astronomen.

Die Mitarbeiter und Ehemaligen des Lehrstuhls für Thermodynamik trauern um Ulrich Grigull und werden ihn in ehrender Erinnerung halten.

 

 

 

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